heimat – sprachsplitter 2

„Der Fels wird morsch, dem ich entspringe,                                           und meine Gotteslieder singe“ (Else Lasker-Schüler)

Judenfriedhof
(pixelio.de)

Allen Grund zur Klage hat sie, die Dichterin, die ihre Heimat verlassen musste. Und auch in ihrem Volk und seiner Religion suchte sie zwar eine Heimat, fand sie aber vermutlich nicht in dem Maße, wie sie es sich wünschte.

Sie kann mit ihren Worten einen Felsen morsch werden lassen, sogar den, aus dem sie stammt. Was auch immer für ein Gefühl damit verbunden sein mag.

Wer mag, kann dem Pfad in Richtung Realität nachgehen: Gibt es einen Felsen, dem ich entstamme? Was wäre das? Meine Religion, meine Familie? Mein Heimatort? Meine Tradition?

Und was davon trägt heute noch? Ist noch stabil und belastbar? Was ist „morsch“ geworden?

Was ist der Boden, auf dem ich festen Halt gewinne? Stehe ich damit in Kontinuität zu meiner Herkunft, oder habe ich in mir selbst neue Kraftquellen gefunden?

Die Dichterin singt ihre eigenen Gotteslieder. Sie denkt nicht nur, sie schreibt nicht nur, sie singt sie auch. Damit werden sie schön, die Worte. Sie bekommen einen Rhythmus, sie tragen ein Stück weiter.

Immer wieder neu, trotz allem Verlust, allem Schmerz und allem Grund zur Klage, besteht Else Lasker-Schüler darauf, sich der Wirklichkeit nicht zu unterwerfen. Sondern vielmehr das was darüber hinaus geht, im Blick zu behalten. Und davon vielleicht sogar ein Lied zu singen.

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