Trump spirituell gesehen

 

Great again. Slogan related to american election.

Man kann ihm dankbar sein, sagt die Frau. Man muss ihm dankbar sein.

Denn er ist wie ein Alptraum. Sagt sie. Der unangenehme, erschreckende, angstauslösende Alptraum, der aber wichtig ist für mich, weil er mich auf etwas aufmerksam macht.

Auf eine ungelöste, verknotete, verkrümmte Stelle in meinem Innern. Auf etwas in meinem Leben, das ich mir angucken muss. Er ist ein spiritueller Lehrer.

„Wenn ich also meinen spirituellen Lehrer angreife, der mir so gnädig zeigt, was ich in mir selbst sehen muss, wenn ich auf ihn oder seine Anhänger mit Zorn, Lächerlichkeit, Hass und Schuld antworte, habe ich in der Tat das Ego gewählt, eingeweiht und eingesetzt in meinem Oval Office. Ich halte den Trugschluss der Getrenntheit lebendig und sorge dafür, dass der Alptraum weitergeht.“ So die Frau.

Und was ist es, was er mir zeigt?  Er karikiert alles, was unter dem Wort „Ego“ zusammengefasst werden kann. Und gibt mir so keine Möglichkeit mehr, selbst auch nur noch in kleinen Anteilen wenigstens auch so zu sein. Er hilft uns dabei, der Wahrheit über uns selbst ins Auge zu sehen.

Doch es geht dabei nicht nur um den persönlichen Alptraum, dieser ist vielmehr ein globaler. „Wir glauben, dass wir besser sind als sie und dass unser Reichtum, Einfluss und militärische Kraft uns groß macht. Ist es ein Wunder, dass so eine Vermessenheit die Angriffe von anderen hervorruft (…) Aber was könnte passieren, wenn wir plötzlich aus unserem eigenen Ego-Traum aufwachen? (…) Was wäre, wenn es uns (US) dämmern würde, dass unsere Größe nicht in Reichtum oder in militärischer Macht liegt, sondern in der Fähigkeit, die richtige Wirklichkeit zu erkennen und auszudrücken, nämlich dass wir alle auf diesem Planeten eine voneinander abhängige Gemeinschaft von Gleichen sind?“

Was die US-Amerikanerin und spirituelle Lehrerin Patricia Pearce da schreibt, macht betroffen. Der, von dem sie spricht, ist kein Traum, sondern Realität und wurde vor wenigen Tagen als Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt.

Und wir alle, die ganze Welt, muss sich dazu verhalten.

Wer im Leben unterwegs ist und sich über seine eigene Spiritualität definiert, weiß, dass diese sich fortwährend wandelt. Es passieren Dinge, es verändert sich etwas, und darauf muss der Mensch reagieren, sich umformen. Spirituell in dem Sinne, dass er Veränderungen als „Ruf Gottes“ zu deuten versucht und sich innerhalb der Bezüge und Säulen, die er für sich entdeckt hat, darauf zu verhalten.

Geistliches Leben ist nichts Abgeschlossenes. Es ist vielmehr unabwägbar und kann stets scheitern, aber es stellt sich den Herausforderungen des Lebens und verschließt sich nicht davor.

Wir verstehen Spiritualität häufig nur noch als individuell, aber hier geht es um ein Thema, das alle betrifft. Mit welcher Haltung begegnen wir einer Veränderung, die viele von uns zutiefst erschreckt?

Vielleicht muss man nicht unbedingt die psychologische Kategorie des  „Alptraums“ verwenden.  Aber man muss von Politik, Religion und Recht in einem Atemzug sprechen, und sich der geistlichen Herausforderung zur Gemeinschaft, zur Gleichheit, zur Verantwortung füreinander auf dieser Welt ganz konkret aussetzen.

(Zitate aus der Übersetzung des englischen Originalartikels von Patricia Pearce auf „Huffingtonpost“, Übersetzung: UR/sein.de)

P.S. Dies ist ein Blog einer Einrichtung unter dem Dach der katholischen Kirche. 52 Prozent der Katholiken in den USA haben Trump gewählt. Er schien ihnen der Bessere zu sein, zur Verteidigung der Ehe, des Gewissens, der Freiheit der Kirche in der Gesellschaft von heute. Spirituell sehe ich hier die Notwendigkeit, zu erinnern, dass es der Kirche doch um die Freiheit aller Menschen geht statt nur um die Freiheit der Kirche in der Gesellschaft. Und dass wir endlich von der monotonen Verteidigung der Ehe absehen und stattdessen auf die Verteidigung der unabdingbaren Würde jedes differenziert zu betrachtenden  Lebens hinweisen und uns dafür einsetzen sollten.

 

 

 

 

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