Überraschende Wendung

Berries cherries on a branch in the summer rain, macro

 

Wie heute von Gott sprechen?

Über diese Frage haben sich viele schon wahrhaftig den Kopf zerbrochen. Ich eingeschlossen, denn wenn man so Theologie treibt, dann kommt man einfach immer wieder daran, stößt an eine Grenze des Denkens, kommt an ein Ende der Vernunft, schlägt sich mit Gefühlen herum, die mit Gotteserfahrungen verwechselt werden können.

Stochert im Nebel. Fragt sich wie man verantwortlich von Gott sprechen kann, heute. Ob es nicht in der heutigen Zeit angeraten ist, von Gott zu schweigen.Oder mit anderen an ihm zu zweifeln. Nach Sinn zu schreien, nach Sichtbarkeit. Kirchenleute sprechen manchmal seltsam, das weiß jeder, salbungsvoll, in ungewohnten Worten, und leider oft vorbei an dem, wie normale Menschen heute so reden.

Oft sind allerdings die Hoffnungen, die auf einer neuen, zeitgemäßen Sprache lasten, etwas überhöht, denn Sprache ist ja nicht nur Verpackung. Und die Inhalte von Kommunikation über Gott sind halt auch ziemlich komplex, und das liegt nicht nur an der vielfach sperrigen Institution Kirche, sondern auch am Thema an sich: Über Gott zu sprechen ist schwierig, denn woher weiß man schon was über dieses Phänomen „Gott“, welche Bilder stecken dahinter, welche Geschichten, vielleicht eigene Erlebnisse, die gedeutet werden?

Kürzlich wurde ein Mann eingeladen, zu diesem Thema „Wie heute von Gott sprechen“ sich zu äußern, und zwar in einem Kreis von Kirchenleuten.

Das heißt man stelle sich vor, alle die da waren hatten sich zu diesem Thema sicher schon oft den Kopf zerbrochen und erwarteten weitere kluge Gedanken dazu (im Sinne von: „Von Gott sprechen heißt die Wirklichkeit ins Wort bringen.“ ) oder vielleicht sogar heiße Thesen (a la Erik Flügge, „die Kirche verreckt an ihrer Sprache“).

Man saß im (unvermeidlichen?) Stuhlkreis und der Referent blieb auch sitzen, und fing an zu reden, als ihm das Wort erteilt wurde. Er begann kirchlich-klassisch wenig überraschend mit Bibelgeschichten, und dann erzählte er weiter und alles war völlig ruhig und floss so dahin und man konnte ihm gut zuhören. Und dann war es schon vorbei.

Und ich schüttelte mich ein bisschen, vor Überraschung, und dachte: Das war aber sehr unspektakulär.

Und was er gesagt hatte, sickerte so langsam in mich hinein. Ich habe kein prägnantes Zitat aufgeschrieben, weil ich keins gehört habe, deswegen in meinen Worten, was ich verstanden habe: Er sagte, heute von Gott sprechen geht so, dass man mit anderen zusammen ist, mit ihnen redet, bei ihnen bleibt, wenns schwer ist oder schön. Dass man in ihrer Sprache mit ihnen redet, über das, was sie betrifft. Er übersetzte „Wahrheit“ mit „Wirklichkeit“. Und Jesus sei eben in dieser Wirklichkeit.

Ja, und das wars. Nicht mehr, aber auch keinesfalls weniger.

Ich fands großartig. Unzählige Situationen fallen mir und den KollegInnen in der Kleingruppe ein, in denen wir das ja schon tun. Versuchen. Nicht wegzulaufen. Erschütterbar zu sein. Nicht die Hauptperson zu sein. Für den Raum zu sorgen. Zeit zu haben.*

Und so freundlich daran erinnert zu werden, dass „von Gott reden“ vielleicht gar nichts Größeres, Intellektuelleres, Komplizierteres sein muss, hat mich sehr beeindruckt.

Danke an P. Christoph Mingers, Franziskaner und Leiter des Exerzitienhauses St. Thomas in Trier, und allen Teilnehmenden des Diözesanen Studientages Geistliche Begleitung im Bistum Aachen, der am 19. Mai 2017 im Bischof Hemmerle Haus stattfand.

(*einige Worte in diesem Absatz inspiriert aus dem Text: Geh über die Dörfer von Peter Handke, der nicht im Vortrag vorkam, aber mir etwas bedeutet).

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